Mit dem Fahrrad durch Myanmar

Renate + Bernd im Winter 2002/03

 

Myanmar, von den Engländern auch Burma benannt, liegt östlich des Golfes von Bengalen und ist im Uhrzeigersinn umgeben von Bangladesh, Indien, China, Laos und Thailand. Seit 1962 eine Militärjunta die Macht übernahm ist das Land faktisch abgeriegelt von der übrigen Welt. Die Abgeschiedenheit des Landes und die Mängel in der Infrastruktur sorgen für eine sehr ursprüngliche Atmosphäre wie man sie z.B. in Indien oder Thailand nicht mehr vorfindet. Es gibt keine nennenswerte Umweltverschmutzung und sehr wenig Privatautos. Die Menschen sind Fremden gegenüber unvoreingenommen und tief religiös.

Myanmar beherbergt eine blühende Fauna und Flora, reiche Fischgründe, die grössten Weltreserven an Teakholz und grosse Öl- und Erdgasvorkommen. Das Land ist auch reich an edlen Bergbauprodukten wie Gold, Silber, Jade, Rubine, Smaragde, Wolfram und Platin.

Die Erlöse aus dem Abbau der Schätze erreichen jedoch nie die öffentlichen Kassen sondern verschwinden durchweg in dunklen Kanälen und landen letztendlich auf den Schweizer Bankkonten der herrschenden Clique. Diese hält sich durch ein für Diktaturen übliches System aus Geheimpolizei, Spitzeln und Denunziantentum an der Macht, jeglicher Ansatz von Opposition wird im Keim erstickt. Wenngleich auch die Führung nicht mit dem Barbarentum eines Sadam Hussein vergleichbar ist, das Unrechtsregime ist in keinster Weise legitimiert und bereichert sich hemmungslos zu Lasten der Bevölkerung.

Wie sonst nur noch in Nordkorea ist das Internet verboten und auch sonst scheint die Regierung nicht an höherer Bildung und Information ihres Volkes interessiert zu sein. Es herrscht ein permanenter Mangel an Lehrern und die Universitäten sind seit dem letzten Aufstand geschlossen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen je Einwohner beträgt 355 $, es gibt pro 13.000 Einwohner nur einen Arzt.

(Auf dem Bild rechts sieht man übrigens, wie aus Erdnüssen Öl gewonnen wird. Kann man nur hoffen, dass der Ochse zur Abwechslung auch mal andersrum laufen darf)

Die Verkehrs-Infrastruktur ist eine Farce. An dem Schienennetz ist seit den Zeiten der britischen Besatzung nichts nachgebessert worden und selbst die Hauptstraßen zwischen den größtenStädten des Landes sind löchrig wie Schweizer Käse und selten breiter als 4 Meter, so das der Gegenverkehr nie aneinander vorbei kann, ohne auf den Randstreifen ausweichen zu müssen. Ohnehin gibt es nur sehr wenig Verkehr, dieser wird dominiert durch Pferde-Rikschas und Ochsenkarren. Motorisiert sind fast ausschliesslich Busse und LKW. Diese Gefährte werden dann auch am Laufen gehalten solange sie nur irgendwie aus schweissbarer oder schraubbarer Materie bestehen. Na ja und nicht zu vergessen, die völlig überladenen PickUps. In Europa würden da mit Mühe 8 Personen platzen, in Myanmar sind es um die 30 bis 35.

Weshalb also sollte man dieses Land besuchen und dazu kurioserweise auch noch mit dem Fahrrad?

Nun, die Burmesen haben ähnlich wie die Nepalesen diese einzigartige Begabung zum Lachen und als Radfahrer bekommt man jeden Tag eine geballte Ladung davon ab, das ist wahrer Balsam für die Seele. Wir fuhren 1600km durch eine Landschaft mittelalterlicher Prägung und nahmen auf dem Fahrrad Details wahr, die auf einer Reise mit motorisierten Verkehrsmitteln einfach zu schnell vorbeiziehen. Fünf Wochen sind kurz für so ein Land aber wir haben die Zeit von Anfang bis Ende intensiv gelebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Augsburg-Yangon-Bagan

Die Dame am Thai-Airways-Schalter eröffnete uns eiskalt, dass wir 18 Kilo Übergepäck hätten und wollte etwa 1000 Euro Zuschlag !!! Eintausend, soviel wie ein drittes Ticket !. Dabei hatte die Personenwaage daheim nur 4 Kilo zuviel angezeigt. Mit dem Rücken zu den zornigen Reisenden in der Warteschlange hinter uns feilschten wir auf 250 Euro Zuschlag herunter und zahlten zähneknirschend.

Das Gepäck war schon weg und der Schalter geschlossen, da stellte uns das Schicksal einen lieben Mechaniker zur Seite dem wir unseren Verdacht schilderten. Und siehe da, nach jedem Einschalten variierte die Waage um gute 50% Bandbreite, soviel zu geeichten Gepäckwaagen auf Flughäfen. Mit Hilfe des Mechanikers erstritten wir die sofortige Rückerstattung des gezahlten Geldes und schafften es im Laufschritt noch zum Flieger.

Nach einem angenehmen Flug über Bangok nach Yangon installierten wir uns erstmal in der Stadt und beschlossen, das Ballungsgebiet der Hauptstadt mit dem Bus zu verlassen.

 

 

Natürlich nicht ohne vorher die Shwedagon Paya besichtigt zu haben, das Wahrzeichen von Myanmar. Mitten in der Stadt ragt eine 98m hohe, mit 58 Tonnen Gold und insgesamt 5451 Diamanten! verkleidete Goldwarze in den Himmel die im 6ten Jahrhundert vom Mon-Volk-errichtet worden ist, als Symbol für Buddhas Geist und die Gemeinschaft der praktizierenden Buddhisten. Die Intensität der hiesigen religiösen Stimmung ist vielleicht mit dem Petersdom in Rom vergleichbar. Viele Mönche in ihren roten Kutten sind zu sehen und Gläubige die in stiller Meditation vor den Statuen knien. Überall stehen Buddhas herum und einer sieht sogar aus wie Toblerone-Schokolade.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag nahmen den Schaukelbus nach Pyay, eine Kleinstadt 300km nordwestlich. Ursprünglich herrschte in Myanmar der englische Linksverkehr bis in die 70ger. Dann änderte der Herrscher Ne Win plötzlich seine Meinung nachdem ihm ein Wahrsager geraten hatte, das Land von links nach rechts zu bewegen um sein Karma zu verbessern. Mit den rechtsgelenkten Autos im Rechtsverkehr lässt es sich nun zwar haarscharf genau überholen, mit der Wahrnehmung des Gegenverkehrs gibt es aber leichte Probleme (Jedoch nicht mit dem Willen zum Überholen an sich !)

Wir waren froh endlich aus dem Bus rauszukommen und uns aufs Rad zu schwingen. Die holprige Strasse führte durchs Tal des Ayarwaddy nach Norden, durch lange schattige Aleen und archaische Dörfer in denen das Leben pulsierte. Sobald die Menschen uns erblickten, hielten sie mit der Arbeit inne und schauten uns erstaunt an bevor sie in ein breites Lachen ausbrachen. Lachende und winkende Menschen um uns herum wurden zur ständigen Begleiterscheinung.

Höhepunkte des Tages waren die Besuche in den 5 Sterne-Strassenrestaurants. Essen in Myanmar ist sehr preisgünstig, in der Provinz abseits der touristischen Sehenswürdigkeiten zahlten wir für ein Komplettes 2 Personen-Menü inclusive Getränken nie mehr als eineinhalb Euro. Dafür gabs dann auch Tisch voll mit zahlreichen interessierten Zuschauern. Es wird Reis serviert und dazu viele, viele verschiedene Häppchen (Gemüse, Salate, Erdnüsse, Fisch, Hähnchen, Soßen) in kleinen Schüsselchen gereicht. Quasi jedesmall "all you can eat", denn sobald die Schüsselchen leer waren wurde automatisch wieder nachgefüllt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Tagesetappen von um die 90km rumpelten wir auf der Piste weiter nach Norden.

Um die maroden Strassen auszubessern bedient sich die burmesische Regierung der Kraft der in grosser Zahl vorhandenen Kinderschar. Es wäre sicherlich weitsichtiger, sie in die Schule zu schicken statt sie für umgerechnet 50 Cent pro Tag in der unbarmherzigen Sonne schuften zu lassen. Geschützt durch ihre runden kegelförmigen Basthüte und das Gesicht mit Thanakha-Rinde ( stammt vom gleichnamigen Baum und soll pflegend und schützend wirken, manche Frauen bedecken nachts ihren ganzen Körper damit) eingerieben sassen sie da und zerschlugen mit dem Hammer Steine zu grobem Schotter. Andere scharrten mit den Händen den Schotter in kleine Schälchen und trug sie auf dem Kopf zu dem nächsten Schlagloch wo sie nach Grösse sortiert wie ein Puzzle passgenau eingefügt wurden. Am Strassenrand brannte ein Feuer über dem in grossen Fässern angelieferter Teer geschmolzen wurde. Kleine Mädchen trugen ihn in Kannen zu den Baustellen wo er sorfältig über die Flicken gegossen wurde.

Nach fünf Tagen auf der Strasse erreichten wir bei Sonnenuntergang Bagan, neben Anchor in Kambodscha die wichtigste Kulturstätte Südostasiens. Am Ufer des Ayeyarwady stehen auf einer Fläche von 40 Quadratkilometern Tausende von Tempelruinen in allen Grössen. Die Blütezeit Bagans liegt so um die Zeit 1050 - 1250 n. Chr. Mit enormen religiösem Eifer schufen die Menschen damals Huldigungsstätten in einer räumlichen Dichte, als ob sämtliche Kathedralen Europas an einem Platz errichtet worden wären. Seit Marco Polo als erstem Zeitzeugen haben zahlreiche Plünderungen, Erdbeben und Kriege ihre Spuren hinterlassen, in jüngerer Zeit finden jedoch wieder umfangreiche Restaurierungen statt.

Wir installierten uns eine ganze Woche in dieser mystischen Umgebung und hätten es auch noch eine zweite ausgehalten. Neben Ausflügen in die Umgebung fuhren wir jeden Tag morgens 3 Stunden und abends drei Stunden auf verschlungenen Wegen durch die Tempelanlagen. Die meisten Bauten haben 4 Eingänge die geradewegs zu Buddhastatuen um einen zentralen Kubus führen. In zahlreichen Gebäuden konnte man über versteckte Aufgänge auf Terrassen und Galerien gelangen von wo ebenfalls 4 Eingänge zu Statuen führten. In dem Muster sind 2 bis 4 Stockwerke angeordnet, die Spitze bildet eine glockenförmige massive Kuppel.

Was ist der Buddhismus und welche Kraft drängte die Menschen zur Errichtung dieser vielen tausend Abbildungen Buddhas ?

Dem Buddhismus fehlt der Glaube an einen überirdischen Schöpfer, insofern ist er eher als Philosophie zu verstehen. Wie auch andere Religionen verfügt der Buddhismus jedoch über einen Schatz an Legenden und die Literatur ist voll von dramatischen Episoden mit übernatürlichen Elementen, die im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückt wurden. Gemeinsam mit Christentum und Islam hat er mit dem Buddha die reale Existenz eines Religionsstifters und Lehrers zur Grundlage. Der Buddha war ein real existierender Mensch mit dem richtigen Namen Siddharta Gautama, der um 500 v.Ch. in Nordindien gelebt hat. Schlüsselereignisse seines Lebens waren Geburt, Erleuchtung, Erste Predigt und Tod, denen die Buddhisten auf vielfältige Weise gedenken.

Der Kern der gesamten buddhistischen Weltanschauung bildet die persönliche Erleuchtung des Buddha als Quelle seiner Lehren. Der Verkündung der von Ihm formulierten "Vier edlen Wahrheiten" widmete er der grössten Teil seines Lebens. Die vier edlen Wahrheiten sind:

1. Leben ist Leiden

2. Leiden entstehen durch Begierden

3. Wer die Begierden auslöscht, überwindet die Leiden

4. Zur Auslöschung der Begierden führt der 8-fache Pfad

Besagter 8-facher Pfad besteht aus: - Rechte Rede - Rechtes Handeln - Rechter Lebenserwerb - Rechtes Streben - Rechte Achtsamkeit - Rechte Konzentration - Rechtes Denken - Rechte Erkenntnis

Dazu befolgen gläubige Buddhisten 5 moralische Regeln für sittliches Verhalten, die folgendes verbieten: - Zu töten - Zu stehlen - Ehebruch - Zu lügen - Berauschende Substanzen.

Höchstes Ziel der spirituellen Entwicklung ist der Austritt aus dem Kreis der Wiedergeburten und der Eintritt ins Nirvana als Erlösung allen Leidens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bagan-Inle Lake

 

Nachdem wir die letzte Nacht bei Vollmond auf einer Pagode verbracht hatten verliessen wir nach einer wunderschönen Woche die alte Königsstadt Bagan Richtung goldenes Dreieck. Mit zwei anderen Reiseradlern die wir in Bagan kennenlernten fuhren wir zunächst zu einem berühmten Felsenkloster am Mt. Popa. Der erloschene Vulkan gilt als Wohnsitz der Nat-Geister. Nach einheimischer Sitte soll man dort keine rote oder schwarze Kleidung tragen um nicht den Zorn der Geister heraufzubeschwören. Das war zwar genau die Farbe meiner Radklamotten doch von bösen Geistern war keine Spur auszumachen, höchstens in Form von tollwut-verseuchten bissige Affenherden die über einen herfallen sobald man nur den Anschein erweckte, dass man unten am Eingang Futter für sie gekauft hatte. Frech langte einer in meine Hosentasche, da hab ich ihm eine kräftig gescheuert. Erst machte er Anzeichen mir sofort an die Gurgel zu springen, überlegte es sich aber glücklicherweise anders.

Der Geisterfluch traf allerdings Renate in Form von einem verseuchten Papaya Juice, so dass wir hier einen Tag Ruhepause einlegten. Der wirkte Wunder denn tags drauf rollten wir 120 km nach Meiktila, einem beschaulichen Städtchen Fuße des Shan-Gebirges mit vielen Biersorten.

 

 

 

 

In Myanmar ist die Kanalisation der Abwässer noch kein Thema. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte führt das nicht gleich zu solch katastrophalen Zuständen wie z.B. in Indien. In Meiktila begegnete ich in stockdunkler Nacht einem Pionierprojekt. Nach dem dritten Bier tat sich unter mir der Boden auf so das ich schon die Nat-Geister habe rufen hören. Nur mit viel Glück konnte ich mich an der Erdoberfläche halten.

 

Den Weihnachtsabend verbrachten wir tags drauf in einem zweitklassigen Provinznest in einer drittklassigen Absteige nach einem viertklassigen Abendessen unter einem Mosquitonetz, belagert von grinsenden blutgierenden schwarzweiss-gestreiften Anopheles-Mücken. Als Weihnachtsgeschenk gab es als Ausgleich immerhin die Vorfreude auf einen 1000hm Anstieg hinauf in Burmas Berge. Schon vor Sonnenaufgang dringt das Geplärre der lärmverliebten Asiaten durch die dünnen Wände unserer Absteige. Nebenan rotzt sich jemand die Innereien aus dem Leib, ein anderer rezitiert unablässig Mantras, auf der Strasse dringt aus unzähligen Lautsprechern die burmesische Schlagerhitparade.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Westwetterlage lässt es immer kräftig regnen am Rande des Hochplateaus und so ist die Landschaft überzogen von dichtem Regenwald. Die Menschen hier reagieren ausserordentlich überrascht auf den Anblick zweier Langnasen auf dem Drahtesel, und noch aus der hinterletzten Hütte winken sie uns zu begeistert zu. Stetig schraubten wir uns in die Höhe, im Wettlauf mit stinkenden LKW-Wracks. Es wurde deutlich kälter und bei Sonnenuntergang erreichten wir den Bergort Kalaw, auf Feldberghöhe gelegen. In dem von knorrigen Kiefernwäldern umgebenen Multikulti-Ort leben auch viele Muslime und nepalesische Hindu, schon den Engländern war Kalaw ein beliebter Ferienort. Von hier machen wir einen Tagesausflug zu den heiligen Pindaya-Höhlen. Im Laufe der Jahrhunderte entstand um den Buddha ein mächtiger Personenkult. Nach dem Auftauchen der ersten Bildnisse im 2ten Jahrhundert n.Chr. entwickelten sich Buddha-Darstellungen zum Mittelpunkt der volkstümlichen Verehrung. Die frommen Bewohner des Tales haben die Höhle mit 8000! Buddha-Statuen bestückt, dicht gedrängt, viele davon vergoldet. Es ist bei weitem nicht die einzigste Höhle mit Statuen in Myanmar, aber 8000 Stück, das ist schon ein beeindruckender Anblick. Das Shan-Plateau ist eine liebliche Landschaft mit Äckern und Pinienwäldchen. Wenn man die Augen zukneift. Wenn man sie öffnet sieht man das Mittelalter Europas. Vor den Hütten sitzen alte Frauen und rauchen die landestypischen Cheerot-Zigarren. Ochsen drehen Runden um Mahlsteine mit denen Erdnußöl gewonnen wird. Kleine Kinder reiten auf grossen Wasserbüffeln durch die Gegend. Bunt gekleidete Frauen jäten Unkraut auf den klein parzellierten Feldern. Und alle schenken uns ein fröhliches Lächeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem oberen rechten Bild sieht man eine der vielen Nonnen beim wöchentlichen "Einkauf" der Lebensmittel. Sie geht mit ihrem Korb durch den Markt und bittet jeweils um eine Gabe. Jeder gibt eine Kleinigkeit ( z.B. 1 Tomate) und mit der Zeit wird der Korb schon voll und das Nonnenkloster ist für die kommenden Tage wieder mit Lebensmitteln versorgt. Im Gegensatz zu den Mönchen, denn diese strömem jeden Morgen nach Sonnenaufgang im Gänsemarsch zum Kloster hinaus und bitten um Reisspenden. Das tägliche Reismahl besteht somit aus x-verschienen Löffelchen Reis. Mönche essen nur morgens und mittags, danach wird täglich gefastet. Bei großem Hungergefühl dürfen Fruchtsäfte getrunken werden. Mönche sind oft politisch in Demokratiebewegungen engagiert.

Die Sozialordnung legt nahe, dass burmesische Männer zweimal im Leben einen vorübergehenden Aufenthalt im Kloster verbringen.

Während einer Klosterbesichtigung hatten wir einen toten Mönch aufgebahrt gesehen. Getrauert wird allerdings anders als bei den Christen. Alle sind fröhlich und spenden für den Verstorbenen bzw. fürs Kloster. (Wir konnten spüren, dass der Tod für die Menschen eine andere Bedeutung hat)

 

Inle-Lake

Ein Tag später brachte uns ein köstlicher 600m-Dschungel-Downhill mit gemächlichem Ausrollen zu Myanmars zweitwichtigster Touristenattraktion, dem Inle-Lake. Der 200 Quadratkilometer grosse See ist von den Gipfeln des Shan-Gebirges umgeben und von atemberaubender Schönheit. Drumherum und auf den Inseln befinden sich ein Dutzend Stelzendörfer, deren Bewohner von Handwerk, Fischfang und Gemüseanbau leben. Weltweit einzigartig sind die schwimmenden Gärten, vorzugsweise Tomatenpflanzen, die auf den schwimmenden kompakten Wurzelstöcken der Wasserhyazinthen wachsen und regelmässig mit Schlick gedüngt werden. Noch abgefahrener und weltweit einzigartig sind die berühmten Beinruderer. Mit einem Bein auf dem Heckdes Kanus balancierend und das andere Bein um das Paddel geschwungen, ziehen sie dieses mit schwungvollen Bewegungen nach hinten während sie mit der Hand das obere Ende nach vorne stossen.

 

Der See ist ein vorzüglicher Platz zum Abhängen. Die lokalen Restaurants haben sich dem westlichen Geschmack angepasst, kulinarische Attraktion sind Chocolate-Strawberry-Pancakes und Tomato-Eggplant-Pasta (very trendy seitdem ein Italiener Nudelmaschinen mitgebracht hat.). Der wenige Tourismus hat die Bevölkerung noch nicht so sehr verfälscht und so winken die Bewohner der Stelzendörfer den Besuchern noch fröhlich zu, welche mit Fotoapparat bewaffnet in lauten Motorbooten durch die Kanäle tuckern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ethnologen haben in Myanmar über 100 verschiedene ethno-linguistische Gruppen identifiziert, welche offiziell nach dem Ursprung ihrer Sprache in 8 Ethnien unterteilt werden. Es gibt zwischen diesen Gruppen schon seit jeher Spannungen und schon die Briten konnten das Land nur mit Gewalt oder Autonomie-Zugeständnissen unter Kontrolle halten. Auch heute sind weite Landesteile nur nominell unter staatlicher Kontrolle was sich für Reisende dadurch bemerkbar macht, das viele Gebiete für Touristen gesperrt sind.

Insbesondere die Bergvölker in den Grenzgebieten zu Thailand lassen sich nicht unterjochen und leben von einträglichem Schmuggel mit Teakholz, Edelsteinen und Opium. Die Gebiete um den Inle-Lake herum sind jedenfalls für Besucher gesperrt und wir fuhren nach einigen Tagen zurück nach Westen ins Flachland Das universelle Kleidungsstück der Männer ist eine tonnenförmige zusammengenähte Stoffbahn welche kunstvoll um die Hüfte geschlungen wird. Dazu werden Badelatschen getragen, von der Form die man sich zwischen zwei Zehen klemmt. Sämtlich Bevölkerungsschichten sind so ausgestattet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inle Lake - Südburma

In Thazi nahmen den Expresszug in den Süden. Ein findiger Geschäftsmann könnte den Zug samt Gleise importieren und als das neueste Fahrtgeschäft auf dem Münchner Oktoberfest anpreisen, so ausserordentlich dynamisch war die Reise. Ausserordentlich auch die Preise, die raffgierigen Staatsbeamten erdreisteten sich, von ausländischen Besuchern den 8-fachen Reisepreis zu verlangen.

Unser nächstes Ziel war der Mt. Kyaikto, das zweitwichtigste Pilgerziel Burmas. Der Pilgerweg auf den Mt. Kyaikto schlängelte sich auf einem Bergrücken gut 1000hm empor zum goldenen Felsen. Viele tausend Menschen waren auf dem breit ausgetretenen Pfad unterwegs der durch dichten Primärwald führte. Während des 2-monatigen Winterfestivals drängten sich die Menschen auf dem Gipfel wie die Sardinen, die meisten hatten Essen und Liegematten dabei und blieben über Nacht.

Oben, kurz vor dem goldenen Felsen war auch wieder ein Checkpoint an dem Foreigners wie Aussätzige unter den 10.000 Pilgern herausgegriffen wurden und 6 harte Dollar zu entrichten hatten. Da das Geld sowieso nur dem Militär zugute kam und nie die öffentlichen Kassen erreichen würde gelang es uns aber, ohne Gewissensbisse über einen Schleichweg den Posten zu umgehen.

Auf dem Bergrücken herrschte Volksfeststimmung, auch Verkaufsstände für Dschungelmedizin fanden sich in dichter Ansammlung. Diverse Gehölze, Knochen, Pulver und Ampullen wurden feilgeboten und im Zentrum eines jeden Standes befand sich ein etwas geneigt stehender etwa einen dreiviertel Quadratmeter grosser Bottich in dessen unterem Teil eine braune ölige Sosse schwappte. "Its good for your skin" meinte der Verkäufer mit einem lieben Lächeln und hatte damit sicher recht. Das Hautöl sickerte aus einem grossen Klumpen Affen-, Ziegen- und Schlangenköpfen, vermischt mit Bärentatzen, Tausendfüsslern, Spinnen und allerlei Kleingetier.

Der goldene Felsen selbst wird angeblich durch ein Haar Buddhas im Gleichgewicht gehalten. Angesichts der Tatsache das Zehntausende von Pilgern auf der zugänglichen Seite fortwährend kleine Blattgoldplättchen aufkleben die mittlerweile zu brotlaibgrossen Goldbatzen angewachsen sind, müssten die zahlreichen Buddhastatuen im Grössenvergleich zum Orginal etwas untertrieben sein. Der Felsen tront wirklich spektakulär am Rande des Abgrunds, beim nächsten Erdbeben wird er wohl im Garten eines glücklichen Bauern im Tal landen.

 

 

Von Kyaikto bis nach Moulmein fuhren wir eine monströse Etappe, 141 km Schlaglochpiste bis die Knochen klapperten. So was macht dann auch kein Spass mehr. Mit gewaltigem Appetit freuen wir uns auf die südburmesische Küche. So richtig eng scheinen die Burmesen das buddhistische Gebot nicht zu sehen, dass man keinem Tier was zuleide tun soll (es könnte ja ein verstorbener und wiedergeborener Verwandter sein) Die lokale chinesische Küche kennt Spezereien wie z.B. "Boiled goat brain", "Deep fried whole frog" oder "Pork in oily sauce". Lecker !

Hier sieht man gut, welches Ausmaß das tägliche

Anbringen von einzelnen Goldplättchen bereits genommen hat.

Von Moulmein aus unternahmen wir einen Tagesausflug zur Baustelle des weltweit grössten liegenden Buddhas. Völlig irre was die Burmesen da bauen, 180m lang! mit 4 Stockwerken innendrin welche tausende lebensgrosse bemalte Gipsstatuen beherbergen. Fantasieszenen mit wilden Tieren und Schlachtszenen mit Dutzenden von Charakteren sind hier dargestellt, ohne Zweifel wird das einmal eine wichtige Attraktion Burmas werden.

 

 

Das burmesische Schienennetz ist eines der marodesten weltweit, mit minimalsten Mitteln gerade so am Laufen gehalten. Die 14-stündige Fahrt war nichts für Romantiker, die Reise war gekennzeichnet durch eine knochenbrechende Dynamik in den Raumrichtungen lotrecht zur Fahrtrichtung. Eine Art Rodeo auf Schienen. Aber immer noch besser als Busfahren, dachten wir und bekamen bei 30kmh Reisegeschwindigkeit so allerhand fürs Auge. In jedem Provinzbahnhof stürmten fliegende Händler den Zug und boten allerlei Essbares feil.

Unsere Reise haben wir mit dem Besuch der Hauptstadt Yangon ausklingen lassen, bevor uns Thai Airways zurück in die nüchterne Realität des -10° kalten Deutschland brachte.

Wir bereuen keinen Tag dieser Reise, denn anfangs stelle sich für uns schon die Frage, ob der Tourismus die Wiederherstellung der Demokratie und Menschenrechte fördert oder eher behindert. Die Oppositionsführerin und Freiheitsrechtlerin Suu Kyi hat zum Boykott des Landes aufgerufen. Wir haben immer versucht, unser Geld nicht bei irgendwelchen staatlich geführten Hotels o.ä. zu lassen sondern Privatleute damit zu unterstützen. Aus Gesprächen hat sich gezeigt, dass die Burmesen sehr froh sind wenn Touristen ins Land kommen und sich dadurch neue Geschäftszweige auftun. Denn die Tourismusbranche ist die einzige Industrie, zu der gewöhnliche Bürger Zugang haben. Jede Reduzierung des Tourismus führt automatisch zu einem Schrumpfen der örtlichen Verdienstmöglichkeit.

Mingalaba !

 

 

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